Der Nordosten Indiens

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Mein Indien-Visum ist noch gut zwei Wochen gültig und so ist es an der Zeit, mich auf den Weg in den Nordosten des Landes und in Richtung Myanmar zu machen — Strecken in Indien können weit sein, Züge sind nicht selten mehrere Tage unterwegs. Über die Straße sind es auf kürzestem Weg von Delhi aus zur burmesischen Grenze immerhin etwa 2500 km. Ich plane eine grobe Route und will innerhalb von drei Tagen Darjeeling und Sikkim, den kleinsten Staat Indiens zwischen Nepal und Bhutan, erreichen. Der Weg dorthin ist weniger spannend und aufgrund der schwülen Hitze und des stellenweise hohen Verkehrsaufkommens doch recht anstrengend. Ich bin noch dabei, mich wieder an die indische Fahrweise zu gewöhnen: es ist wichtig, das richtige Maß zwischen Dominanz und Defensivität zu finden. Am besten lässt man “einfach laufen” und schaltet gewissermaßen auf die rechte Gehirnhälfte um. Wenn man dann zwischen Rickshaws, Mopeds, LKW und Tieren seinen Weg zirkelt, macht das Fahren sogar Spaß.

Immerhin habe ich etwas Unterhaltung: Sanna, eine Freundin von Praveer, hat mich gefragt, ob sie mit nach Darjeeling kommen kann. Sie kommt aus Nepal, arbeitet mit Social Media und ist “Influencerin”, hat also eine recht große Gefolgschaft auf Instagram, welche sie über den Tag verteilt immer wieder mit Videos versorgt. Nach Darjeeling möchte sie, weil sie dort zur Schule gegangen ist — aufgrund der Nähe zu Nepal wird dort sogar Nepalesisch gesprochen.

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Darjeeling

Auf dem Weg halten wir in Bodhgaya, eine Stadt, in der Buddha unter einem Baum angeblich seine Erleuchtung erlangt hat. Der Baum ist mittlerweile recht groß, mit Glas geschützt und direkt davor ist ein Tempel errichtet, um den sich buddhistische Pilger und Mönche tummeln. Ich bin an diesem Tag etwas angeschlagen und während Sanna, selbst Buddhistin, den Tempel besichtigt, ruhe ich mich auf einer Treppe aus. Ein Mönch kommt mir entgegen und sieht mir an, dass mit mir etwas nicht stimmt. Er grinst mich an, hebt die Hand und sagt nur “happy!”. Wie kann man da nicht glücklicher sein?

Der Nordosten Indiens ist wirklich schön: Ab Darjeeling wird bekanntermaßen viel Tee angebaut und sowie es in die Berge geht, sind die grüne Landschaft und die Aussichten beeindruckend. Endlich wird es etwas kühler und die Straßen wieder kurvig. Es fühlt sich nicht mehr wirklich so an, als sei man in Indien. Hier oben wirkt alles etwas gedämpfter und den Menschen sieht man die mongolische Abstammung an.

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Bergstraße mit Aussicht zwischen Darjeeling und Sikkim
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Gebetsfahnen auf dem Weg zu Hanuman Tok, ein Aussichtspunkt in Gangtok, Sikkim

Mein weiterer Weg führt mich über Gangtok, der Hauptstadt von Sikkim, in Richtung der Grenze zu Bhutan. Phuntsholing ist eine Stadt, die sich schon in Bhutan befindet und von der ich gehört habe, dass dort eine “Einreise” für ein paar Kilometer ohne Vorlage des Passes möglich sei. An der Grenze erfahre ich, dass diese Ausnahmeregelung aber nur für Inder gilt und ich mit europäischem Pass in jedem Fall ein Visum brauche. Das ist jedoch überhaupt nicht praktikabel — Bhutan verpflichtet einen bei Ausstellung eines Visums, täglich um die 200 US-Dollar im Land auszugeben. Am nächsten Morgen starte ich doch noch einen Versuch und rolle durch das “Bhutan Gate”, ohne kontrolliert zu werden. Die Architektur schaut pagodenähnlich und fernöstlich aus, manche Männer tragen traditionelle, etwas japanisch anmutende Kleidung, die Straßen sind sauber, alles wirkt etwas organisierter. Als ich am Straßenrand halte, um ein Foto vom Bhutan Gate zu machen, werde ich direkt von einem Offiziellen ermahnt, ich solle in den vorgeschriebenen Flächen parken. Nach einem kurzen Abstecher auf die erste Bergstraße und bis zur Zollstation, vor der ich lieber kehrt mache, kaufe ich mir noch einen Aufkleber fürs Motorrad — das wird wohl das Land sein, das ich auf dieser Reise am kürzesten betreten habe.

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Das “Bhutan Gate”, aufgenommen aus Phuntsholing

Am Nachmittag fahre ich weiter nach Guwahati in Assam, wo Praveer, “Doc” und zwei ihrer Freunde am gleichen Tag ankommen. Wir verbringen noch einen gemeinsamen Abend. Praveer und seine Freunde haben ihre Motorräder in den Nordosten geschickt, um dort eine Tour zu machen. Ich muss in drei Tagen schließlich an der Grenze zu Myanmar sein und so trennen sich unsere Wege am nächsten Morgen.

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Verabschiedung in Guwahati

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