Die Fortsetzung der Reise

Nach einer “Sommerpause” in Deutschland bin ich nun nach Delhi zu meinem Motorrad zurückgekehrt, um mich auf den weiteren Weg in Richtung Südostasien zu machen. Am Frankfurter Flughafen komme ich dank zahlreicher Ersatzteile und einem Satz Reifen mit drei großen Check-In-Gepäckstücken an und so versuche ich, jemanden zu finden, der eines für mich eincheckt — Air India erlaubt schon mal zwei Teile pro Person, mehr wird aber teuer. “Da sind aber keine Drogen drin?” fragen mich ein Vater, der mit seinem Sohn geschäftlich nach Delhi reist und danach in Goa etwas Urlaub machen möchte. Schließlich sind die Reifen versorgt und nachdem alles aufgegeben ist, mache ich mich auf den Weg zum Flieger, der am nächsten Morgen Delhi erreichen soll.

Als ich aus dem Flieger aussteige, werde ich mit zusammengefalteten Händen verabschiedet. Ich hoffe, heil durch den Zoll zu kommen, schließlich habe ich doch einige Güter dabei, die vermutlich nicht zollfrei sind. Genau genommen befinde ich mich in einer Grauzone, da das ja alles Teile für mein Motorrad sind, das per Carnet-Dokument zollfrei im Land ist und dieses mitsamt der Teile wieder verlässt — soweit habe ich mir das schon mal zurechtgelegt. Das muss ich aber zum Glück niemandem erklären. Als ich meinen Trolley durch die Schiebetüren ins Freie bewege, schlägt mir die feuchte, drückende Luft Delhis entgegen. Mit einem Taxi, das irgendwas zwischen Tuk-Tuk und Auto ist und eine große Gasflasche im Kofferraum hat, mache ich mich auf den Weg in die Stadt.

Der Monsun ist nun weitestgehend vorüber, in Delhi hat es tagsüber noch immer zwischen 30 und 35 Grad, bei hoher Luftfeuchtigkeit. Die brennende Sonne, der Lärm, der Staub und der scheinbar chaotische Verkehr sagen mir: Der Kulturschock ist real. Eigentlich wusste ich doch, was mich erwarten würde. Dennoch — irgendwie war die Umstellung beim letzten Mal sanfter, als ich über den Landweg gereist bin und der Wandel von Klima, Verkehr und Menschen viel langsamer war.

Ich bin froh, bei Praveer unterzukommen, der mich beim letzten Mal auf dem Weg nach Südindien begleitet hat. Er ist 35 Jahre alt und lebt mit seiner Freundin in einer ruhigeren Gegend im Herzen von Delhi. Von ihm aus mache ich mich am nächsten Tag auf, um mein Motorrad auszumotten, das ich bei einem Freund in der Nachbarschaft geparkt habe.

Ab jetzt und in den nächsten Tagen steht die Reparatur der Lichtmaschine, ein kompletter Service und die Erneuerung des Fahrwerks an. Dabei werde ich mich wieder vermehrt in zwei Dingen üben müssen, die einem das Reisen und insbesondere Indien lehren: Gelassenheit und Akzeptanz. Um eine neue Batterie für die BMW zu bekommen, braucht es eine kleine Odyssee durch die Stadt. Es gibt zwar viele Batteriehändler, viele haben aber zu oder nicht die richtige Größe. Als ich auf einem Markt ein paar Inbus-Schrauben besorgen möchte, werde ich trotz einheimischer Begleitung für zwei Stunden hin- und hergeschickt. Jedes mal scheint der Tip, den man bekommt, unheimlich heiß, bis man dann bei einem Händler für Badarmaturen landet oder in einer Werkstatt, die solche vermeintlichen Standardteile dann doch nicht hat. In Verbindung mit den ständigen Staus und mit Delhis Hitze ist das eine echte Geduldsprobe.

Am Ende steht dann doch immer die Überzeugung, dass sich irgendein Weg findet. Das ist irgendwie Segen und Fluch zugleich — sonst könnte man sich hinstellen und sagen “Hier funktioniert ja eh nichts!”, aber so einfach ist es leider nicht. Die meisten Dinge funktionieren schließlich beim dritten oder vierten Anlauf oder nach einigen Nachfragen, eine Abkürzung auf diesem länglichen Weg scheint es aber nicht zu geben. So bleibt es einem nur, sich auf Indiens Rhythmus einzulassen.

 

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In der Werkstatt von BMW Motorrad Delhi darf ich selbst schrauben und so ist die BMW nach ein paar Tagen bereit für Reise in den Nordosten.
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Jaspal und sein Kollege mit einer S 1000 RR. Diese und die R 1200 GS sind die Modelle, die von BMW in Indien aktuell am besten verkauft werden — trotz über 100 % Einfuhrsteuer.
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Fast fertig: Nach drei Tagen hat die BMW neue Reifen, neue Bremsen, eine reparierte und (wieder) höher gelegte Ölwanne, eine neue Lichtmaschine und ein neues Fahrwerk inkl. Wunderlich-Fahrwerksstreben.

 

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